ERNST

Kurze Texte, kurze Besserung.

Die versteckte Welt.

Unsere Medien überschlagen sich mit Meldungen über Franz-Peter Tebartz-van Elst und Konsorten anstatt sich in die wirklichen Themen hineinzubohren. Danke, liebe Medien.

Wir können ja fast schon zufrieden sein. Seit die Franzosen sich sehr sympathisch aufgeregt haben über die neuesten NSA-Enthüllungen, ist das Thema in den Mainstreammedien plötzlich wieder da. Monatelang war Sascha Lobos Blog auf SPON die einzige Fackel die nicht ausging.

Stattdessen gefiel sich die deutsche Medienlandschaft darin, wieder einmal einen unsympathischen Sündenbock in der stolzen Tradition von Guttenberg und Wulff als ultimative Sau durchs Dorf zu jagen: Einen eklig schmierigen katholischen Gockel ohne Sinn, Verstand und Scham. Pünktlich zur Lampedusa-Katastrophe ein Empörungsfall für das empörungshungrige Volk, das sich so kaum empören wollte über die europäische Flüchtlingspolitik. In solchen Momenten sollte man nie  Kommentarseiten lesen. Man hat das Gefühl es mit Millionen „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber“-sagenden Quasirechtsradikalen zu tun zu haben. Also lieber über einen blöden Bischof mit Größenwahn empören. Das macht mehr Spaß und alle machen mit. Das gibt ein prima Wir-Gefühl in Deutschland, wenn alle gegen jemanden sind. Das schweißt uns zusammen. Das erspart uns das lästige Debattieren weil wir alle einer Meinung sind.

Nun, da die Verhandlungen zur schwarzroten endgültigen Abschaffung der Demokratie in Deutschland begonnen haben, ein diffuses Machtwort vom Papst. Und Gerüchte aus der Koalitionskiste über Mindestlöhne, Ministerposten und Maut. Und die Taufe von Prinz George! Fast nebenbei rutscht das Thema der schwachen Opposition vorbei. Die SPD sagt gönnerhaft irgendwas von „wir werden euch Platz einräumen“. Knuddelige klitzekleine Opposition, hey wir lassen euch doch nicht hängen! Ihr kriegt schon mal ein Leckerli von uns. Wenn die Opposition auf Almosen der Überregierung angewiesen ist um ihre Arbeit verrichten zu können, dann ist das keine Opposition. Dann ist das der Alibi-Kasper der auch zwei Sätze sagen darf. Dabei das Wort „Ermächtigung“ in den Mund zu nehmen, erscheint mir zwar hochgradig dämlich, wie fast alle Nazivergleiche mit unserer Gegenwart, dennoch wäre die Situation die eine so große Koalition erzeugen würde für die SPD ein zwingender Grund gewesen, nicht in Gespräche mit der Union einzutreten. Aus demokratischer Urüberzeugung und Verantwortung. Falls sie es jemals hatten, ist das auch dahin.

Doch die Medien faseln über Mindestlohn und PKW-Maut, über die noch nirgends ein Wort verloren wurde. Sie faselten am Tag der Audienz des doofen Bischofs beim Papst davon dass sie 20 Minuten dauerte, über ihren Inhalt nichts bekannt sei, aber ein Verbleib des Bischofs in seiner Diözese als immer unwahrscheinlicher erscheine. Who the fuck cares?

Die potentielle große Koalition schafft die parlamentarische Demokratie ab (Zyniker würden sagen sie war eh nur ein Papiertiger), die Geheimdienste schaffen die Privatsphäre ab, die EU schafft die Menschenrechte von Flüchtlingen und das Menschenrecht auf Wasser ab, Monsanto schafft Biodiversität ab, die USA schaffen die Evolutionstheorie und das Völkerrecht ab … and all we got is this bloody T-Shirt?!

bischof

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Ménage à Video!

Das ERNST hat gearbeitet. Auf 1,5 m² wurden in den letzten zwei Jahren etwa 20 neue Musikstückchen aus Ton geformt. Drei davon kann man sogar SEHEN:

Lenz geht los!

Aus hoffentlich aktuellem Anlass.

Rasenmäher und Rasierer
Schrecken aus dem Winterschlaf
Blumen, Blätter, Pickel sprießen
Alles wächst was wachsen darf

Chlorophyll und Tränensäcke
Arbeiten im Überfluss
Sonnenstrahlen, Endorphine
Für was sich vermehren muss

Heckenschere, Epilierer
Stutzen die Details in Form
Vogelnester, Fitnesscenter
Strotzen vor Bevölkerung

Wiesen, Felder, Diskotheken
Füllen sich mit Lebensformen
Überall nur frische Früchte
Unverbraucht und unverdorben

Lenz geht los, Lenz geht los!
Eier- und Bienenstöcke summen voller Tatendrang
Lenz geht los, Lenz geht los!
Xe und Ypsilone suchen nach Zusammenhang

Kein Stück schlauer.

Mensch und System Energiewende, Wasserprivatisierung, Genmais, Effizienzoptimierung, Grundeinkommen – Revolution? Schleudertrauma im Teufelskreis der eigenen Gedanken.

Manchmal sitzt man da und trinkt ein Bier oder zwei und liest so Zeug im Internet und dann regt man sich wieder auf und dann regt man sich komischerweise darüber auf, dass sich so viel aufgeregt wird und dann denkt man sich, man ist wohl Teil des Problems. Und dann denkt man wieder darüber nach warum „das System“ einfach so weitermacht nach der Finanzkrise und warum sich nicht genug aufgeregt wird. Und dann führt man Diskussionen über das bedingungslose Grundeinkommen und dann denkt man sich dass es ja ohnehin niemals eingeführt werden kann, weil dazu ja mittlerweile sozusagen eine absolute Mehrheit in den westlichen Industrieländern für eine solche Idee zu begeistern oder zumindest zu überzeugen wäre um eine theoretische Machbarkeit zu erreichen.

Und dann denkt man über diejenigen nach, die auf der Macht-Habenseite des Kapitalismus stehen und im Großen und Ganzen kein Interesse an solchen Ideen haben und demnach trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit durch Lobbyismus und Korruption jederzeit verhindern könnten dass es so weit käme dass sich etwas tut. Und dann denkt man an die Energiewende und daran dass das Umdenken im Bereich von Stromerzeugung und -verbrauch nur dadurch in größerem Rahmen möglich war indem man darlegte, wirtschaftliche Vorteile aus einer Vorreiterrolle Deutschlands generieren zu können, also im Grunde dass dringend notwendige Entwicklungen in Gesellschaft und Zivilisation hin zu einer menschen- und naturfreundlicheren Zukunft sich nur durch Gewinnversprechen umsetzen lassen.

Und dann fällt einem daran auf, dass man so also sagen könnte, dass sich Änderungen im System, neue, nachhaltigere Denkweisen, nur dadurch im System durchsetzen lassen indem man dem kapitalistischen Hund das Wachstums- und Effizienzstöckchen werfen muss um ihn zufriedenzustellen. Und dann ist einem aber eben auch klar, dass Wachstum und Effizienzoptimierung und Gewinnsteigerung, wie sie momentan zelebriert werden, zu den Hauptproblemen zählen die uns überhaupt in diese verkorkste Situation gebracht haben, dass wir den Planeten geplündert und verseucht haben und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Und dann fragt man sich wie sich daran je etwas ändern soll, wenn alles was man für vernünftig und gut hält sich nur dadurch Stück für Stück realisieren lässt – wenn überhaupt – wenn man sich den Mechanismen dieses Systems geschickt bedient und damit sozusagen ein proaktiver Teil des Systems ist.

Und dann liest man von den Abstimmungsergebnissen im Bundestag bezüglich der „Frage“ ob Wasser ein Menschenrecht ist und ist erschüttert über die überwiegenden Nein-Stimmen und dann denkt man sich dass es doch so nicht weitergehen kann und dann fliegt in einem Anflug von Volkszorn das kleine Wort Revolution durch den Raum und dann weiß man aber auch dass man selbst ja einigermaßen gut zurecht kommt und sich durch eine Revolution erst einmal der „Lebensstandard“ für die allermeisten verschlechtern würde. Außerdem wüsste man nicht wie das gehen soll, Revolution. Mit Waffen? Damit würde man sich die Hände derart schmutzig machen dass man jede Glaubwürdigkeit verloren hätte. Mit Sitzblockaden? In der ganzen westlichen Welt? Mit Hackerangriffen auf Banken und Konzerne?

Und dann erinnert man sich wieder daran warum man gegen Genmais und dergleichen ist, nämlich weil eine plötzliche Veränderung der Pflanzen- und Tierwelt von der Evolution nicht vorgesehen ist und man nicht weiß was ein vom Menschen eingeführter genmanipulierter Teil des Ökosystems für Auswirkungen auf den Rest haben kann. Und man erinnert sich dabei auch an ein Gespräch mit einem ehemaligen Klassenkameraden, einem stillen, intelligenten Typen mit guten Noten und einem Faible für Rollenspiele. Der danach Biologie studiert hat und nun schon länger in einer Genfirma arbeitet. Und den man mal gefragt hat, was bei ihren Forschungen überwiege, die pure wissenschaftliche Neugier oder die Sorge was man eventuell für Nebenwirkungen erziele mit der Aussetzung von genmanipulierten Pflanzen ins Ökosystem Erde. Und wie er einen ehrlich verblüfft ansah und sagte „Na die Neugier! Über das andere haben wir ehrlich gesagt nie nachgedacht.“

Und dann fällt einem wieder ein dass die Menschen ja vielleicht einfach so sind. Und das alles ohnehin keinen Sinn hat und „Mutter Erde“ wahrscheinlich irgendwann die Notbremse ziehen wird, wenn wir so weitermachen und es auch gar nicht in unserer Hand liegt. Und dann schüttelt es einen weil man das Gefühl hat, gerade wieder bequemer im Sessel zu sitzen und dann regt man sich fürchterlich über sich selbst auf. Und dann trinkt man noch einen Schluck und ist kein Stück schlauer.

Die glorreichen Sieben.

Das Winterloch.

Taxifahrer bestätigen mir stets, dass der Dezember der beste Monat und der Januar der schlechteste für die Mietwagenzunft ist. Am Ende des Jahres stapelt sich alles übereinander: Jahresentspurt-Arbeit, Menschen auf den Weihnachtsmärkten, Parties aus kalendarischen Anlässen. Danach ist die Luft erst einmal raus. So auch aus der Nachrichtenlage: Wolfgang Thierse findet Schwaben in Berlin doof. Henryk M Broder findet Jakob Augstein doof. Rafael findet Sylvie doof. Und John Boehner findet Harry Reid doof. Gérard Dépardieu findet Francois Hollande doof. Die SPD findet langsam den Peer Steinbrück doof. Alles ganz großes Kino. Was für ein Winterloch. Wahrscheinlich können wir froh sein, dass nichts schlimmes passiert. Aber Stillstand is auch nix.

Postweihnachtlichum Zerstreuung Malmsheimensis.

Ach ich persönlich nehme ja Weihnachten nichts krumm. Es funktioniert für mich gut, da scheine ich eine Ausnahme zu sein. Aber wenn man so schöne Schauergeschichten erzählen kann wie der Herr Malmsheimer, dann darf er das auch:

Meteorit.

Auf einen letzten Tanz vor dem Aus. Der Weltuntergang hat sich wieder nicht getraut, mal Ernst zu machen, also macht der Ernst eben Weltuntergang. Bitte gerne auch runterladen. Besser nen Meteorit auf der Festplatte als nen Taubenschiss uffn Kopp.

Gerüchte von geheimen Treffen.

Verschwörungstheologen haben dieses Foto der Redaktion zumanipuliert. Zu sehen die Herren Trykowski, Friedrich und Siegel in einer Umgebung, die nach dem Proberaumloft anmutet. Ist natürlich alles Humbug.

diedrei

waldspaziergang